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Ergänzung zu Los Nr. 224, Karl Sterrer, Gerechtigkeit, das nach derzeitigem Stand nicht in der Auktion am 19.5.2022 versteigert wird.

Wir haben in Recherchen zu dem Werk das Nachstehende herausgefunden, weswegen wir aus derzeitiger Sicht das Los Nr. 224 in unserer Auktion nicht anbieten werden. Wir sind mit den ursprünglichen Eigentümern und Nachfahren nach Georg Duschinsky sowie dem jetzigen Besitzer in Kontakt und versuchen eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden. Wir hoffen, diese Lösung noch vor der Auktion zu finden und allen Interessierten mitteilen zu können!

Das Werk mit dem ursprünglichen Titel „Justizia“ oder „Gerechtigkeit“, auch Sieg der Gerechtigkeit bzw. Adam und Eva (!), war Sterrers erster Entwurf für ein Bild im großen Schwurgerichtssaal des 1. Wiener Landesgerichts. Wahrscheinlich war es in der 50. Jahresausstellung, der Jubiläumsausstellung des Künstlerhauses zwischen dem 21.3. und 2.6. 1929 ausgestellt. 

Im Juni 1927 teilte das Landesgericht Wien offiziell mit, dass der Künstler Karl Sterrer den Auftrag für ein Bild im großen Schwurgerichtssaal des 1. Wiener Landesgerichts übernommen hatte. Zu dieser Zeit hatte Sterrer schon mit seinem Konzept „Gerechtigkeit – Justitia“ begonnen, ein Konzept allerdings, das er in der Folge, wegen der vehementen Ereignisse um die politischen Gewalttaten im burgenländischen Schattendorf, der Modifikation unterwerfen sollte. Von der Allegorie der „Justizia" wandelte sich die finale Fassung zum "Richter aus dem Volk“, einem Mann mit Schwurhand, von dem sich nur ein Entwurf erhalten hat.

Berichte um die Enthüllung des Gemäldes im November 1928 bekunden das besondere Interesse, das Friedrich Aichinger, der spätere Präsident des Zweiten Wiener Landesgerichts, dem Projekt entgegenbrachte. (Es war also eine direkte Auftragsvergabe.) Es wurde feierlich im Schwurgerichtssaal über der Richterbank aufgehängt und blieb dort bis in die NS-Zeit - verschwand dann aber während dieser oder zu Ende der NS-Herrschaft. Herrn Dr. Josef Seiters (einem Forscher zum Werk Karl Sterrers) Recherchen in der Justizverwaltung, den Bezirksmuseen etc. über das weitere „Schicksal“ waren erfolglos.

Der erste Entwurf „Justizia/Gerechtigkeit“ ging in den Besitz von Georg Duschinsky, einem der wichtigsten, jüdischen Sammler Sterrers über. 1938 wurde das Bild Gerechtigkeit von Karl Sterrer seinem Eigentümer, Herrn Georg Duschinsky von der Gestapo entzogen. Laut den Recherchen von Sophie Lillie, (Was einmal war, Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wien, Czernin Verlag, Wien 2003, S. 284 ff) die über die enteigneten Kunstsammlungen Wiens recherchierte, war Georg Duschinsky beim Einmarsch der NS-Truppen geschäftlich im Ausland. Sein gesamter Besitz im Haus in der Cottagegasse, wo er mit seiner Lebensgefährtin und seiner geschiedenen Frau lebte, wurde auf mündlichen Befehl der Gestapo beschlagnahmt. Georg Duschinsky kam nicht mehr nach Österreich zurück, floh mit seiner Lebensgefährtin nach Südfrankreich, wurde dort 1942 verhaftet und über das Lager Drancy nach Ausschwitz deportiert. Auch seine Frau Erna wurde 1941 verhaftet und nach Minsk deportiert. Das Ehepaar Duschinsky wurde 1948 für tot erklärt. Ernst Duschinsky, dem Sohn von Erna und Georg Duschinsky, der in England die NS-Zeit überlebte, wurde der gesamte Nachlass übertragen. 1947 wurde von Ernst Duschinsky eine Suchliste mit Bildern dem österreichischen Bundesdenkmalamt übergeben, in der unter der Nr. 2 das Bild Gerechtigkeit, Öl 300 x 200 cm (erster Entwurf für den Schwurgerichtssaal) angeführt ist. Ernst Duschinsky konnte rechtzeitig vor den Nationalsozialisten nach England flüchten, heiratete dort und vererbte seinen Besitz an seine Frau Petra und die gemeinsamen Nachkommen. Die Spur des Bildes verliert sich 1938. Erst ab den 1980er Jahren sind Besitzwechsel mündlich dokumentiert. Das Bild wechselte in der Folge mehrmals im Wiener Kunsthandel den Besitz u.a. Galerie Kurt Kalb, Kunsthandel Hieke, Kunsthandel Boris Wilnitsky, Kunsthandel Widder und gelangte schließlich in eine internationale Privatsammlung, die das Bild an Widder Auktionen und bereits dreimal zuvor 30.11.2018, 17.6.2019 und 4.5.2021, dem Auktionshaus Im Kinsky zu Versteigerung übergab. Im Auktionshaus im Kinsky wurden nach derzeitigem Wissenstand keine weiterführenden Provenienzen angegeben.

Widder Auktionen steht mit den Erben nach Georg und Ernst Duschinsky in Kontakt und versucht, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden. Wir hoffen, diese Lösung noch vor der Auktion zu finden und allen unmittelbar Beteiligen und Interessierten mitteilen zu können.

Ergänzung zu Los Nr. 166, Otakar Kubin, Selbstporträt: In  Deutsche Kunst und Dekoration, Darmstadt 1925, Bd. 55, S. 279 ist ein nahezu identisches Werk abgebildet aber eben doch nicht das zu versteigernde Werk. Die Echtheit bleibt davon unberührt. Wir danken dem Hinweisegeber. 

Ergänzung zu Los Nr. 216, Herbert Gurschner, Paar in der Toskana: Das Werk ist zurückgezogen und wird nicht in der Auktion am 19.5.2022 versteigert.

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